Wir schreiben das Jahr 1986 und der Württemberger Weinbau ist in der »Tretmühle des immer Gleichen« gefangen. Doch gibt es ein Gefühl des Aufbruchs, den Willen etwas zu bewegen, neues zu erfahren und zu erleben. Insbesondere steht der Wille etwas aus dem Erbe seiner Vorfahren zu schaffen, das die Zeit überdauert und nachhaltigen Eindruck hinterlässt.

 

Allerdings fehlt es den »Rebellen des deutschen Weinbaus« noch an Unterstützern, die ihre radikalen Ansichten salonfähig machen. Rainer Zierock, gebürtiger Murrtäler, Professor an der Weinbauschule San Michele d’Adige im Trentino, Philosoph, Genie und Querdenker der Weinszene leistet Schützenhilfe und bringt die Revoluzzer an einen Tisch. Im Oktober 1986 treffen sich Siegfried Röll vom Weingut Fürst Hohenlohe-Öhringen, Michael Graf Adelmann, Richard Drautz, Jürgen Ellwanger, Albrecht Fischer vom Weingut Sonnenhof und Gerhard Götz, Direktor des Staatsweinguts Weinsberg. Diese Gruppe junger, engagierter und motivierter Querdenker schließt sich zusammenunter dem Namen der Unterwelt. Was damals undenkbar war, wurde Realität: Die Renaissance des kleinen Eichenholzfasses. Heute ist Barrique wieder fester Bestandteil der deutschen Weinkultur und fast vergessen sind die beschwerlichen Anfänge: Ablehnung der Amtlichen Prüfnummer, Herabstufung zu Tafelwein, Unverständnis und Anfeindungen von Kollegen. All das ist heute kaum noch vorstellbar.

 

Mit dem Barrique-Ausbau hielten auch Rebsorten in Württemberg Einzug, die damals allenfalls im Versuchsanbau zugelassen waren (und teilweise auch verbotswidrig im kleinen Umfang gepflanzt wurden). Heute gelten Sauvignon Blanc, Chardonnay, Cabernet Sauvignon und Merlot als wichtige Partner in großen Cuvées. Doch auch der Schritt zur Cuvée erforderte viel Mut, Durchhaltevermögen und wenn nicht Finger-, so doch Zungenspitzengefühl. Der harmonischen »Vermählung« mehrerer Weinsorten hing damals in Deutschland das negative »G’schmäckle« Verschnitt an.

 

Heute liegt die Verantwortung in den Händen der Söhne und nachfolgenden Kellermeistern. Die revolutionären Ideen von einst leben heute erfolgreich fort. Die großen Erfolge der »Rebellen des deutschen Weinbaus« bewirkten ein Umdenken, auch bei den Prüfern der sensorischen Qualitätsweinprüfung. Ab Mitte der 90er Jahre war es im deutschen Weinbau »Usus« dass Weine mit Barriquereifung ausgebaut und als Qualitätswein verkauft wurden. Auch die Gründung des Deutsches Barrique Forum im Jahr 1991 war eine direkte Folge des Erfolgs der HADES-Gruppe und ohne ihren Pioniergeist kaum denkbar.

1986-Lemberger-HADES-Etikett
HADES
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